Die Reform des Gebäudeenergiegesetzes soll Klarheit für Verbraucher schaffenZwischen Klimaziel und Kostenfrage
Mit der Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) soll die bisherige Vorgabe, wonach neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, entfallen. Stattdessen soll mit mehr Technologieoffenheit auch der Einbau moderner Öl- und Gasheizungen wieder leichter möglich sein.
Für viele Hausbesitzer, Vermieter und Mieter bleibt dennoch die Frage offen, wie sie künftig heizen sollen und welche Investitionen sinnvoll sind. „Fachbetriebe stehen dabei oft an vorderster Front der Beratung“, weiß Erich Schulz, SHK Landesinnungsmeister. Mit seinem gleichnamigen Unternehmen erlebt er die Auswirkungen der politischen Debatten täglich im Gespräch mit Kunden.
Förderzusagen entscheidend
Aus seiner Sicht besonders wichtig ist die zugesagte Förderung für neue Heizsysteme bis zum Jahr 2029. „Das ist schon mal ein Riesenwort“, sagt Schulz. Förderprogramme seien entscheidend, um die Energiewende im Heizungskeller überhaupt voranzubringen. „Ohne Förderung klappt das nicht – ohne Moos nichts los.“
Tatsächlich sind moderne Heizsysteme wie Wärmepumpen oder Pelletanlagen häufig deutlich teurer in der Anschaffung als klassische Gas- oder Ölheizungen. Staatliche Zuschüsse können diese Mehrkosten zumindest teilweise abfedern und Investitionen für Eigentümer attraktiver machen.
Eine weitere Veränderung betrifft die bisher geplante Verzahnung des Heizungsgesetzes mit der kommunalen Wärmeplanung. Ursprünglich hätte dies bedeutet, dass in größeren Städten bereits früher strengere Vorgaben für neue Heizungen gegolten hätten. Diese Verpflichtung wird gelockert.
Damit bleibt es künftig möglich, unter bestimmten Umständen weiterhin Öl- oder Gasheizungen einzubauen. Für Verbraucher kann das kurzfristig eine Entlastung sein, weil die Investitionskosten niedriger bleiben. Gleichzeitig sieht Schulz darin auch ein Problem: „Dadurch wird die Klimawende im Heizungskeller möglicherweise verzögert oder ausgebremst. Wenn man sieht, was die Regierung jetzt gemacht hat, sehe ich die Klimaziele eher gefährdet.“ Die Lockerungen könnten dazu führen, dass notwendige Investitionen in klimafreundliche Technik weiter aufgeschoben werden.
Kosten durch die „Bio-Treppe“
Zusätzlichen Druck auf fossile Heizsysteme dürfte künftig eine weitere Regelung ausüben: die sogenannte „Bio-Treppe“. Dahinter verbirgt sich die schrittweise Verpflichtung, fossilen Energieträgern steigende Anteile an Biobrennstoffen beizumischen.
„Ab 2029 sollen zunächst zehn Prozent Bio-Öl oder Bio-Gas eingesetzt werden“, erklärt Schulz. Dieser Anteil soll in den folgenden Jahren weiter steigen – mit unklaren Folgen für Preise und Verfügbarkeit. „Diese Treppe ist erstmal teuer und es ist aus meiner Sicht nicht sicher, ob das überhaupt in der Menge machbar ist.“ Für Verbraucher bedeute das zusätzliche Unsicherheit. Denn selbst wenn fossile Heizungen weiterhin erlaubt bleiben, könnten sie durch steigende Anforderungen und Kosten langfristig unattraktiver werden.
Für Handwerksbetriebe besteht die größte Herausforderung derzeit darin, diese Verunsicherung der Kunden aufzufangen. Die politischen Debatten der vergangenen Jahre hätten viele Menschen irritiert, sagt Schulz. „Dieses Hickhack über Jahre hat den Kunden total verunsichert.“ Er rät dazu, nicht auf mögliche neue Gesetze zu warten, sondern die aktuell gültigen Förderbedingungen zu nutzen. „Unsere Empfehlung ist, zu den jetzigen Rahmenbedingungen zu sanieren“, erklärt Schulz. Warten sei selten eine gute Strategie: „Es wird sicher nicht besser.“
Wärmepumpe bleibt gefragt
Trotz der politischen Unsicherheiten zeigt sich in der Praxis ein klarer Trend. Die Wärmepumpe bleibt laut Schulz der wichtigste Wärmeerzeuger im Neubau und bei Sanierungen. Besonders in Bayern spielen auch Pelletheizungen weiterhin eine bedeutende Rolle. „Der Wärmeerzeuger Nummer eins ist nach wie vor die Wärmepumpe“, erklärt Schulz. Gasheizungen würden zwar noch vereinzelt installiert, seien jedoch rückläufig.
Ölheizungen hingegen seien praktisch vom Markt verschwunden: „Diese haben wir schon ewig nicht mehr eingebaut.“ Ein wichtiger Vorteil der Wärmepumpe liegt in der langfristigen Versorgungssicherheit. Strom lasse sich zunehmend aus erneuerbaren Quellen erzeugen, während fossile Energieträger geopolitischen und preislichen Schwankungen unterliegen. „Strom ist eher verfügbar und wird immer regenerativer“, sagt Schulz. „Insofern ist die Wärmepumpe langfristig sicher eine intelligente Lösung.“
Hoher Beratungsaufwand
Für Installationsbetriebe bedeutet die Energiewende jedoch auch mehr Bürokratie. Förderprogramme, unterschiedliche Regelungen für Gebäudearten und ständig neue Vorgaben erhöhen den Beratungsaufwand erheblich.
„Der Aufwand ist deutlich gestiegen“, sagt Schulz. Besonders kompliziert seien die verschiedenen Förderkulissen für Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, Gewerbe oder Industrie. Eine Vereinfachung der Programme wäre aus Sicht vieler Handwerksbetriebe wünschenswert.
Hinzu kommt, dass Förderanträge inzwischen häufig vom Kunden selbst gestellt werden müssen. „Früher konnte der Kunde mich bevollmächtigen, den Antrag für ihn zu stellen. Heute muss er das selbst machen“, erklärt Schulz. In der Praxis sitze der Installateur daher oft gemeinsam mit dem Kunden vor dem Computer, um den Antrag korrekt auszufüllen.
Appell an die Politik
Trotz aller Kritik sieht Schulz die Energiewende im Gebäudesektor grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Entscheidend sei jedoch Planungssicherheit. „Mein Appell an die Politik ist, möglichst zügig eine endgültige Gesetzeslage zu schaffen“, sagt Schulz. Nur wenn Hausbesitzer und Investoren verlässliche Regeln kennen, seien sie auch bereit, in neue Heiztechnik zu investieren.
Denn eines steht für den Heizungsfachmann fest: Die Umstellung der Wärmeversorgung wird noch viele Jahre dauern – und sie kann nur gelingen, wenn Politik, Handwerk und Verbraucher gemeinsam an einem Strang ziehen.
„Wenn man sieht,
was die Regierung
jetzt gemacht hat,
sehe ich die Klimaziele eher gefährdet.“
Erich Schulz
SHK-Landesinnungsmeister