Bundesmaßnahmen stoßen auf AblehnungTankrabatt und Krisenbonus
Wer heute einen Handwerksbetrieb führt, muss nicht nur sein Handwerk verstehen, sondern auch zum Krisenmanager, Energieexperten und Psychologen für die eigene Belegschaft werden. Die massiven Preissteigerungen, befeuert durch den anhaltenden Iran-Konflikt und globale Instabilitäten, setzen den Mittelstand unter massiven Druck. Die Reaktionen aus dem Handwerk auf die Maßnahmen der Bundesregierung sind teils harsch. Tankrabatt und Krisenbonus stoßen mehrheitlich auf Ablehnung.
Karl-Heinz Münzel, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei und Konditorei mit Hauptsitz in Sonthofen im Allgäu und 14 weiteren Filialen, spricht von gestiegenem Kostendruck: „Wir haben durch die höheren Spritpreise monatlich Mehrkosten im vierstelligen Bereich. Und das, obwohl wir 75 Prozent des Fuhrparks bereits auf Elektroantrieb umgerüstet haben und die Autos mit eigenem Solarstrom laden“, erklärt er.
“Die Bundesregierung
greift in fremde
Taschen.“
Karl-Heinz Münzel
Bäckerei Konditorei
Münzel KG
Krisenbonus? „Frechheit“
Den Tankrabatt in Höhe von 17 Cent sieht der Bäckermeister sehr kritisch: „Davon halten wir gar nichts, weil wir davon ausgehen, dass die Ölkonzerne die Steuerersparnis nicht weitergeben.“ Für Münzel steht das Kartellamt in der Pflicht, das seiner Meinung nach tatenlos zusehe. Sollte sich die Lage im Nahen Osten nicht stabilisieren, rechnet der Bäckermeister auch bei Rohstoffen und anderen Materialien mit Preissteigerungen von zehn Prozent und mehr.
Besonders der Krisenbonus stößt auf große Ablehnung. Die Möglichkeit, Mitarbeitenden bis zu 1.000 Euro steuerfrei auszuzahlen, kommentiert Münzel so: „Das ist eine Frechheit. Die Bundesregierung spielt den Wohltäter, greift aber schlichtweg in fremde Taschen und will das Geld der Unternehmen verteilen.“ Die Folge sei eine Demotivation der Belegschaft, da eine Erwartungshaltung durch die Politik geschürt wird, die finanzielle Last aber von den Betrieben nicht gestemmt werden könne. Deutliche Kritik an den Maßnahmen der Bundesregierung kommt auch von Rita Hörmann von der Solartechnik Hörmann GmbH aus Zusmarshausen. Hier zeigt sich gewissermaßen die ganze Absurdität der aktuellen Situation: Ein Unternehmen, das die Energiewende vorantreibt, leidet selbst massiv unter den fossilen Kosten. Zwölf Dieseltransporter sind täglich im Einsatz, um Material auf die Baustellen zu bringen. „Die Kosten sind immens“, berichtet sie. Zwar verfügt der Betrieb bereits über acht E-Autos, doch für schwere Transporte, teils mit Anhängern, würden weiterhin Verbrenner-Autos gebraucht.
“Es fehlt jegliche Strategie für eine größere Unabhängigkeit von fossilen
Brennstoffen.“
Rita Hörmann
Hörmann Solartechnik
GmbH
Kritik an Ministerin Reiche
Die Preissteigerungen betreffen im Elektro-Unternehmen nicht nur den Sprit, sondern auch das Herzstück der Arbeit: Aluminium, Kupfer und Edelstahl seien bereits erheblich im Preis gestiegen. Sogar die Abfallbeseitigung schlage teurer zu Buche, da die Entsorger ihre gestiegenen Kraftstoffkosten eins zu eins weitergäben. Den Tankrabatt hält Rita Hörmann aber für den falschen Weg. „Nicht jeder kann profitieren“, kritisiert sie und fordert stattdessen eine Senkung der Stromsteuer, um eine breitere Entlastung zu schaffen.
Ihre Abrechnung mit der politischen Führung ist deutlich. Besonders die Arbeit von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht sie kritisch. Seit deren Amtsantritt habe es kaum Dialog mit Naturschutzverbänden oder Verbraucherschützern gegeben, stattdessen fänden Treffen mit den großen Energiekonzernen statt. Dies signalisiere eine Missachtung der regenerativen Energien. „Es fehlt jegliche Strategie für eine größere Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Handwerksbetriebe wie unserer leiden unter einer unsteten Politik und unverlässlichen Rahmenbedingungen. Wir haben mit verunsicherten Kunden zu tun, Aufträge und Investitionen werden wegen Unplanbarkeit storniert oder verschoben.“
Unsichere Weltlage
Münzel wie Hörmann eint das strikte Nein zum steuerfreien 1.000-EuroBonus. Während die Politik dies als großzügige Geste verkaufe, so Hörmann, werde es in den Betrieben als Druckmittel wahrgenommen. Die Solar-Unternehmerin stellt klar, dass sie lieber Rücklagen für schlechte Zeiten bilde, anstatt Gelder auszuschütten: „Wir haben eine sehr unsichere Weltlage und wissen nicht, was noch auf uns zukommt, deswegen zahlen wir keinen Krisenbonus. Jedenfalls kann die Politik nicht einfach über Firmengelder verfügen.“
Fragt man die beiden Praktiker nach echten Lösungen, wird deutlich: Kurze Subventionszeiträume wie ein zweimonatiger Tankrabatt werden als „Gießkannenprinzip“ ohne nachhaltigen Effekt abgelehnt. Karl-Heinz Münzel plädiert für eine langfristige Senkung der Energiesteuern und eine Reform der Lohnsteuer. „Menschen, die mehr arbeiten, sollten eine höhere Steuerentlastung erhalten. Das wäre auch ein Anreiz, wieder mehr zu arbeiten.“
Konsequente Energiewende
Solar-Expertin Hörmann sieht den Schlüssel in einer konsequenten Energie- und Mobilitätswende. Sie fordert einen massiven Ausbau der Leitungsnetze und die Förderung von Speichersystemen, statt Milliarden in die Subventionierung von Benzinpreisen zu stecken. Der Weg müsse wegführen von fossilen Abhängigkeiten hin zu einer echten Unabhängigkeit durch Stromheizungen, E-Mobilität und eine gestärkte dezentrale Energieversorgung.