Sascha Schneider, HWK Schwaben

Eines der neuen Gesichter der ImagekampagneMit Herz und Haltung

Die Augsburger Goldschmiedin Hereza Rosa Schmidtke gehört zu den neuen Botschafterinnen der bundesweiten Imagekampagne des Handwerks. Mit ihrer Geschichte steht sie beispielhaft für junge Menschen, die ihren eigenen Weg gegangen sind: Nach dem Abitur, einem gescheiterten ersten Ausbildungsversuch und einigen Umwegen fand sie ihre Leidenschaft im Goldschmiedehandwerk. Heute führt die 26-jährige erfolgreich ihr eigenes Atelier und wirbt als Gesicht der Kampagne für die Chancen einer Karriere im Handwerk.

Frau Schmidtke, Sie sind eines der neuen Gesichter der Imagekampagne des Handwerks. Wie kam es dazu?

Eigentlich war das eher Zufall. Die Verantwortlichen sind über die Berichterstattung zu meinem beruflichen Werdegang auf mich aufmerksam geworden. Sie haben recherchiert und festgestellt: jung, Handwerksbetrieb übernommen, selbstständig geworden. Das passte offenbar gut zur Kampagne. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich mitmachen möchte.

Die Kampagne läuft seit Mitte September. Haben Sie sich schon auf Plakaten entdeckt?

Aus Norddeutschland – ich stamme aus der Nähe von Hannover – bekomme ich regelmäßig Rückmeldungen. Dort wurde ich bereits mehrfach auf Plakaten entdeckt. Die Resonanz ist insgesamt enorm. Besonders auf Instagram merke ich das deutlich. Mittlerweile habe ich dort mehr als 1000 Follower und es kommen täglich neue dazu. Viele Menschen schicken mir Screenshots von Werbeanzeigen oder schreiben mir einfach: „Das bist doch du!“ Eine Kundin hat mir sogar erzählt, dass sie mich zunächst hier im Geschäft kennengelernt und später noch einmal auf einem Plakat in München gesehen hat. Solche Erlebnisse zeigen schon, wie groß die Reichweite der Kampagne ist.

Der Kampagnenslogan lautet „Handwerk macht Karriere mit Gefühl“. Können Sie sich damit identifizieren?

Teilweise. Ich selbst hatte nie das Gefühl, aktiv Karriere machen zu wollen. Ich habe einfach meinen Weg verfolgt und das gemacht, was mir Freude bereitet. Deshalb identifiziere ich mich nicht unmittelbar mit dem Begriff Karriere.
Wenn man aber bedenkt, dass viele Menschen Karriere immer noch vor allem mit Studium, Universität oder klassischen Akademikerlaufbahnen verbinden, dann macht der Slogan durchaus Sinn. Er zeigt, dass man auch im Handwerk erfolgreich sein, Verantwortung übernehmen und seinen eigenen Betrieb führen kann.



ZDH

Aktuelles Plakatmotiv der Imagekampagne des Handwerks mit Hereza Rosa Schmidtke.





Sie selbst haben Abitur gemacht. Wie sind Sie trotzdem im Handwerk gelandet?

Ich hatte das Glück, Eltern zu haben, die mir nie Druck gemacht haben. Obwohl beide studiert haben, haben sie nie erwartet, dass ich denselben Weg einschlage. Ihnen war vor allem wichtig, dass ihre Kinder glücklich werden.
Nach dem Abitur war ich zunächst ziemlich orientierungslos. Ich begann eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin, merkte aber nach wenigen Monaten, dass das nicht mein Weg war, und brach die Ausbildung ab. Danach arbeitete ich unter anderem im Einzelhandel, bevor ich schließlich das Goldschmiedehandwerk für mich entdeckte.
Das war gar nicht so einfach. Ich komme vom Dorf, und dort kennt man viele Handwerksberufe schlicht nicht. Deshalb wählt man oft zunächst etwas, das man bereits kennt. Umso wichtiger finde ich es heute, jungen Menschen die ganze Vielfalt des Handwerks aufzuzeigen.



“Wichtig ist, offen zu bleiben und den Mut zu haben, seinen eigenen Weg zu gehen.“ Hereza Rosa Schmidtke, Botschafterin der Imagekampagne



Sie sprechen häufig über Berufsorientierung. Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern?

Vor allem an Gymnasien müsste das Handwerk deutlich sichtbarer werden. Ich finde es überhaupt nicht problematisch, Abitur zu machen. Im Gegenteil: Man startet oft etwas reifer ins Berufsleben.
Was mich stört, ist die starke Ausrichtung auf Studium und Universität. Viele Schülerinnen und Schüler erfahren gar nicht, welche Möglichkeiten das Handwerk bietet. Dabei gibt es dort unglaublich viele spannende Berufsbilder.
Ich habe einmal an meinem ehemaligen Gymnasium einen Vortrag über den Beruf der Goldschmiedin gehalten. Dabei habe ich nicht nur über mich gesprochen, sondern auch über viele andere Handwerkerinnen und Handwerker, die ich kenne. Das Interesse war riesig. Die Jugendlichen fanden die Geschichten spannend, weil sie die Berufe konkret greifen konnten.
Für mich liegt genau dort der Schlüssel: In der Schule erreicht man nahezu alle jungen Menschen. Deshalb sollte das Handwerk dort viel häufiger präsent sein.

Sie haben vor rund anderthalb Jahren einen bestehenden Betrieb übernommen. Wie ist die Übernahme verlaufen?

Erstaunlich gut. Für mich war die Übernahme wie ein Kickstart. Schon einige Monate vor dem offiziellen Übergabetermin konnte ich im Geschäft mitarbeiten, Kundinnen und Kunden kennenlernen und mich in die Abläufe einarbeiten.
Dadurch verlief der Übergang sehr fließend. Viele Menschen kommen weiterhin, weil sie den Laden durch die frühere Inhaberin kennen. Das Vertrauen, das sie mit der Übergabe in mich gesetzt hat, bekomme ich auch von den Kunden. Gleichzeitig gewinne ich neue Kundschaft über meine Website, Instagram und andere digitale Kanäle.
Diese beiden Faktoren ergänzen sich perfekt. Ich konnte einen wertvollen Betrieb übernehmen. Gleichzeitig konnte ich eigene Ideen und neue Wege einbringen. Dadurch trägt sich das Geschäft sehr gut.

Was haben Sie sich von der Selbstständigkeit erwartet?

Ich habe vor allem gehofft, dass ich den Schritt schaffe und von meiner Arbeit leben kann. Diese Hoffnung hat sich erfüllt. Ansonsten bin ich ohne große Erwartungen an die Selbstständigkeit herangegangen.
Besonders gefreut hat mich, wie gut meine eigenen Schmuckdesigns angenommen werden. Als Gestalterin zweifelt man manchmal daran, ob die eigenen Ideen wirklich Menschen erreichen. Umso schöner ist es zu sehen, dass das funktioniert.
Außerdem hat sich gezeigt, dass ich fachlich gut vorbereitet war. Vor einer Betriebsübernahme fragt man sich natürlich, ob die eigenen Fähigkeiten ausreichen. Heute weiß ich: Sie reichen aus.
Was ich unterschätzt habe, ist der Zeitaufwand. Auch wenn die Übernahme offiziell abgeschlossen ist, hört die Arbeit nicht auf. Man entwickelt den Betrieb weiter, verändert Abläufe oder plant Umbauten. Solche Prozesse dauern oft deutlich länger, als man zunächst denkt.

Welche Rolle spielte die Handwerkskammer bei der Übernahme?

Eine sehr wichtige. Die Handwerkskammer hat mich überhaupt erst auf die Möglichkeit einer Betriebsübernahme aufmerksam gemacht und mir gezeigt, dass ich diesen Schritt schaffen kann.
Ich habe Unterstützung durch die Gründungsberatung erhalten, Verträge wurden geprüft und rechtliche Fragen geklärt. Besonders hilfreich war, dass ich jederzeit Ansprechpartner hatte, an die ich mich wenden konnte.
Viele Menschen fragen, was die Handwerkskammer eigentlich für ihren Mitgliedsbeitrag leistet. Meine Erfahrung ist: Wenn man die angebotenen Leistungen nutzt und Unterstützung einfordert, bekommt man auch konkrete Hilfe.

Auf den Kampagnenmotiven präsentieren Sie den sogenannten „Love Ring“. Welche Geschichte steckt dahinter?

Der Love Ring ist während meiner Gründungsphase entstanden. Ich habe ein Schmuckstück geschaffen, das symbolisch für diesen neuen Lebensabschnitt steht und nach der Betriebsübernahme dauerhaft im Schaufenster präsent ist.
Die Herzform ist im Schmuckbereich natürlich nichts Neues. Mir war aber wichtig, das Thema auf meine eigene Weise zu interpretieren. Der Ring steht für meine Leidenschaft für diesen Beruf und ist gleichzeitig ein Design, mit dem sich viele Menschen identifizieren können.
Das Besondere ist, dass jedes Herz etwas anders aussieht. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man die vielen einzelnen Herzen. Dadurch wirkt das Design nicht kitschig. Die Kollektion ist mittlerweile zu einem echten Wiedererkennungsmerkmal geworden.

Welche Botschaft möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Man sollte den Mut haben, Dinge auszuprobieren und ehrlich zu hinterfragen, ob ein Weg wirklich zu einem passt. Wenn man merkt, dass etwas nicht das Richtige ist, darf man das auch zugeben und sich neu orientieren.
Viele bleiben auf einem Weg, weil sie glauben, ihn unbedingt zu Ende gehen zu müssen. Dabei gerät man oft schneller in ein Hamsterrad als man denkt. Ich habe selbst eine Ausbildung abgebrochen und mich neu orientiert. Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung. Hätte ich damals einfach weitergemacht, wäre ich vermutlich nie bei dem Beruf angekommen, der heute perfekt zu mir passt.
Deshalb mein Rat: Nicht danach schauen, was andere von einem erwarten, sondern herausfinden, was einen wirklich begeistert. Wichtig ist, offen zu bleiben, Neues auszuprobieren und den Mut zu haben, seinen eigenen Weg zu gehen.

Sascha Schneider

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