Mehr Tempo in 2026 – Der Blick des Handwerks auf das neue Jahr
Das neue Jahr beginnt mit hohen Erwartungen – und ebenso großen Herausforderungen. Für das Handwerk steht 2026 unter einem klaren Anspruch: Es braucht mehr Tempo – in Verfahren, in Entscheidungen und in Reformprozessen. Die Betriebe sind bereit zu investieren, auszubilden und die großen Zukunftsaufgaben aktiv mitzugestalten. Damit das gelingt, müssen die politischen und administrativen Rahmenbedingungen Schritt halten.
Entschlossenheit, Augenmaß und Tempo gefordert
Hauptgeschäftsführer der HWK-Schwaben, Ulrich Wagner, fasst die Lage wie folgt zusammen:
„Wir stehen an einem Punkt, an dem Abwarten keine Option mehr ist. Es braucht jetzt entschlossene Reformen mit klarer Richtung. Das Handwerk ist einer der tragenden Pfeiler unseres Wirtschaftsstandorts. Doch auch dieser Pfeiler gerät unter Druck, wenn Kosten steigen, Verfahren sich verzögern und Planungssicherheit fehlt. Wenn wir wollen, dass der Mittelstand auch künftig Ausbildung, Innovation und regionale Wertschöpfung sichert, müssen Reformen beim Bürokratieabbau, der Reform der Sozialversicherungssysteme und bei den Steuern jetzt konsequent umgesetzt werden. Das Handwerk hat seine Widerstandskraft vielfach unter Beweis gestellt. Damit das so bleibt, müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden – mit Entschlossenheit, Augenmaß und dem nötigen Tempo“.
Weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen
Bauen, sanieren, modernisieren – das Handwerk ist zentral für Wohnungsbau, Infrastruktur und die Energiewende. Doch viele Betriebe erleben täglich, wie Projekte durch langwierige Genehmigungsverfahren, komplexe Nachweispflichten und immer neue Dokumentationsanforderungen ausgebremst werden.
Dabei sind gerade handwerkliche Leistungen entscheidend für zentrale gesellschaftliche Ziele. Ein spürbarer Abbau von Bürokratie ist deshalb kein Randthema, sondern ein entscheidender Hebel für gesellschaftlichen Fortschritt. Schnellere und klarere Genehmigungsprozesse bedeuten:
- mehr Tempo beim Wohnungsbau,
- zügigere Umsetzung energetischer Sanierungen,
- schnellere Investitionen in Digitalisierung, Energieeffizienz und nachhaltige Technologien.
Aus Sicht des Handwerks braucht es daher klar strukturierte, digital unterstützte und rechtssichere Genehmigungsprozesse. Weniger Bürokratie bedeutet nicht weniger Qualität, sondern mehr Effizienz und Planbarkeit.
Berufliche Bildung stärken – das Handwerk braucht Nachwuchs
Der demografische Wandel verschärft die Lage am Arbeitsmarkt spürbar. Mit dem Eintritt der Babyboomer-Generation in den Ruhestand gehen viele erfahrene Fachkräfte verloren. Bereits heute können zahlreiche Handwerksbetriebe Aufträge nicht annehmen, weil qualifiziertes Personal fehlt.
Umso wichtiger ist es, die berufliche Bildung nachhaltig zu stärken und ihre gesellschaftliche Wertschätzung weiter zu erhöhen. Eine Ausbildung im Handwerk bietet stabile Karrierewege – von der qualifizierten Fachkraft über die Meisterprüfung bis hin zur Selbstständigkeit.
Damit sich junge Menschen bewusst für diesen Weg entscheiden können, braucht es moderne und leistungsfähige Rahmenbedingungen: Bildungswende weg von der Überakademisierung, mehr Geld für Mittel- und Berufsschulen aber auch verlässlich finanzierte Bildungszentren auf Top-Niveau oder gezielte Förderung des Azubi-Wohnens. Nur wenn berufliche und akademische Bildung tatsächlich gleichwertig behandelt werden, lässt sich die Fachkräftelücke wirksam schließen.
Mut zu Reformen – Betriebe und Beschäftigte entlasten
Die steigenden Sozialausgaben schränken die wirtschaftlichen Handlungsspielräume spürbar ein. Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht: Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft spitzt sich die finanzielle Lage der Rentenkassen sowie der Gesundheits- und Pflegesysteme zu. Doch ungebremst steigende Lohnnebenkosten belasten Betriebe und Beschäftigte.
Besonders kleine und mittlere Betriebe trifft diese Entwicklung unmittelbar. Die Konsequenzen zeigen sich bereits deutlich: Investitionen werden verschoben, notwendige Modernisierungen gestreckt und Innovationsvorhaben zurückgestellt. Vor diesem Hintergrund erwartet das Handwerk entschlossene strukturelle Reformen, die unternehmerische Leistung wieder stärker ermöglichen, Betriebe wie Beschäftigte gezielt entlasten, Planungssicherheit schaffen und Investitionen erleichtern.
Verlässliche Politik und stabile Rahmenbedingungen
Neben finanziellen Belastungen sorgen vor allem unsichere politische Rahmenbedingungen für Zurückhaltung. Angekündigte Maßnahmen bleiben häufig ohne konkrete Umsetzung, gesetzliche Vorgaben ändern sich kurzfristig oder werden immer wieder neu diskutiert. Für Betriebe mit langfristigen Investitionszyklen ist diese Unklarheit ein erhebliches Risiko. Planungssicherheit ist eine Grundvoraussetzung für Investitionen, Ausbildung und Wachstum.
Das Handwerk braucht deshalb mehr politische Verlässlichkeit und einen breiten Konsens in zentralen Zukunftsfragen. Notwendig ist ein konstruktiver Zusammenschluss der demokratischen Kräfte, um große wirtschafts- und gesellschaftspolitische Entscheidungen stabil, langfristig und tragfähig umzusetzen. Dauerhafte Reformen dürfen nicht im politischen Klein-Klein zerrieben werden.
Stand: 26.01.2026