Geschäftsführerin von Aumüller Aumatic, packt die Dinge lieber an, statt sich zu beschweren.„Ich bin niemand, der groß appelliert und lamentiert“
Vor 14 Jahren kaufte Ramona Meinzer Aumüller Aumatic und lenkt seitdem erfolgreich die Geschicke des Handwerksbetriebs, der auf lebenswichtige Lüftungsund Brandschutztechnik spezialisiert ist. Im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung verrät die Unternehmerin, die im Alter von vier Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland flüchtete, ihr Erfolgsrezept für gute Führung, klare Prioritäten und pragmatisches Handeln in herausfordernden Zeiten.
Frau Meinzer, Sie sind Geschäftsführerin von Aumüller Aumatic, unter anderem Hochschulratsvorsitzende und ehrenamtliche Richterin. Sehen Sie sich als „Powerfrau“?
Ich selbst würde das Wort „Powerfrau“ grundsätzlich nicht benutzen. Ich bin in erster Linie Unternehmerin. In meinem Fall bin ich eben eine Frau, aber ich mache mir morgens beim Aufstehen keine Gedanken darüber, ob ich nun als Mann oder als Frau in den Tag starte. Ich weiß einfach sehr genau, was ich will.
Wie bekommen Sie dieses enorme Pensum auf all diesen Bühnen unter einen Hut?
Das funktioniert durch absolute Klarheit. Ich engagiere mich nicht mehr bei Randthemen, nur um ein bisschen zu unterstützen,
sondern fokussiere mich auf Bereiche, in denen ich wirklich etwas verändern kann. Das sind meine Herzensthemen: Bildung – deshalb mein Engagement als Hochschulratsvorsitzende und im Aufsichtsrat einer internationalen Schule – sowie der Mittelstand. Durch diese Klarheit kann ich zu ganz vielen Dingen „Nein“ sagen und ganz gezielt zu ein paar Dingen „Ja“.
Bleibt da noch Raum für eine Work-Life-Balance?
Den Begriff an sich mag ich schon nicht. Es ist ja nicht so, dass ich einen Ausgleich zu meiner Arbeit brauche, weil meine Arbeit nichts mit meinem Leben zu tun hätte. Wenn ich einen „Ausgleich“ suche, dann ist das für mich die eigene Weiterbildung. Ich habe letztes Jahr ein Studium an der Harvard Business School abgeschlossen und gehe bald für drei Monate nach Stanford. Dieses „Was-fürs-Hirn-Tun“ und über die Zukunft nachzudenken, sorgt bei mir für Regeneration. Außerdem arbeite ich mittlerweile sehr stark mit Strukturen und Leitbildern. Wenn hundert Sachen auf der Liste stehen, frage ich mich: Was ist jetzt das Wichtigste? Das mache ich dann mit voller Power und die anderen 99 Dinge müssen eben warten.
Sind Sie eine Wegbereiterin für andere Frauen?
Wenn Sie mich das vor zehn Jahren gefragt hätten, hätte ich gesagt: „Lass mich in Ruhe mit diesem Thema, das muss jeder selber schaffen.“ Mittlerweile denke ich anders. Es ist wichtig, dass Frauen in technischen Berufen sichtbar sind, damit es normal wird und sich diese Frage irgendwann gar nicht mehr stellt. Ich bin eigentlich ein eher introvertierter Mensch – auch wenn mir das keiner glaubt. Bevor ich eine Keynote halte, ist mir oft zwei Tage vorher schlecht. Aber ich mache es, damit vielleicht ein junges Mädel das sieht und merkt: Das ist völlig normal.
“Ich bin eigentlich ein eher introvertierter Mensch – auch wenn mir das keiner glaubt.“ Ramona Meinzer
Welchen Tipp haben Sie für junge Frauen, die ins Handwerk gehen wollen?
Werde dir klar, was du willst, plane von hinten nach vorne und lass dich nicht beirren. Ich stand nach dem Abitur vor der Wahl:
Luft- und Raumfahrttechnik oder Jura. Ich ließ mich beeinflussen, weil Leute sagten: „Komm, nimm Jura, dann machst du dir die Hände nicht schmutzig.“ Das ging genau drei Wochen gut, dann merkte ich, dass das überhaupt nichts für mich ist. Ich habe umgeschwenkt, Wirtschaftsingenieurwesen studiert und mich in dieser mathematisch-technischen Welt sofort wohlgefühlt. Deshalb rate ich: Hör auf dein Inneres, egal was andere sagen.
Was macht für Sie gute Mitarbeiterführung aus?
Als ich das Unternehmen übernahm, dachte ich anfangs, das sei genau das Gleiche wie meine vorherige Rolle als angestellte Geschäftsführerin. Völlig falsch! Mir hat sehr geholfen, früh in die Unternehmenskultur zu investieren. Wir haben uns die Frage gestellt: Warum soll jeder von euch jeden Morgen aufstehen und hier acht Stunden arbeiten? Bei uns ist die gemeinsame Vision, dass wir für frische und lebenswichtige Atemluft in Gebäuden sorgen und im Brandfall Menschenleben retten. Diese Haltung ist nicht nur für die junge Generation wichtig, sondern für alle im Betrieb.
Wie gelingt das im Alltag?
Wir haben klare Werte definiert. Wir wollen auf der einen Seite menschlich sein – es muss Spaß machen, zur Arbeit zu kommen. Auf der anderen Seite sind wir erfolgsorientiert, denn am Ende müssen Gehälter und Lieferanten bezahlt werden. Das erfordert ein Mindset, bei dem man Dinge zu Ende bringt und Vollgas gibt. Für mich besteht Führung aus einem Dreiklang: Wir kennen das gemeinsame Ziel, wir wissen, wie wir dorthin kommen wollen, und jeder übernimmt erstmal selbst Verantwortung, bevor er es von anderen erwartet.
Ihr Betrieb wurde vom Familienpakt Bayern für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgezeichnet. Wie leben Sie das?
Es geht viel um Individualität. Ich wurde selbst schwanger, drei Jahre nachdem ich das Unternehmen übernommen hatte. Ich war vier Tage nach dem Kaiserschnitt wieder im Büro und habe mich entsprechend organisiert. Das kann und will ich natürlich nicht von jedem erwarten! Aber wir haben tolle Beispiele von Frauen bei uns, die Führungsverantwortung übernehmen – nicht obwohl, sondern weil sie Kinder haben.
Wie reagieren Sie, wenn eine angehende Führungskraft schwanger wird?
Ich hatte schon die Situation, dass Frauen mit Tränen in den Augen vor mir saßen und sagten: „Ich bin schwanger, aber eigentlich wollte ich doch Führungskraft werden.“ Ich sage dann: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wie wäre es, wenn wir dich trotzdem befördern? Frauen, die das wirklich wollen, organisieren ihr Leben drumherum. Wer es schafft, trotz der oft schwierigen Kita-Situation in Deutschland alles zu managen, der hat totales Führungspotenzial. Solche Frauen lassen sich nicht unterkriegen, sie haben Struktur und Biss. Meine Leiterin im Personalwesen und die in der Unternehmensentwicklung sind beste Beispiele dafür.
“Wir haben Frauen, die Führungsverantwortung übernehmen – nicht obwohl, sondern weil sie Kinder haben.“ Ramona Meinzer
Sie engagieren sich auch stark für die Gesellschaft. Woher kommt dieser Antrieb?
Das hat viel mit meinem Migrationshintergrund zu tun. Meine Eltern sind mit uns nach Deutschland geflüchtet, da war ich vier Jahre alt. Ohne das Bildungssystem, das wir hier genießen durften, wäre ich heute keine Unternehmerin. Für mich ist es total selbstverständlich, etwas zurückzugeben. Wenn jeder in unserer Gesellschaft diese Einstellung hätte – sei es durch Zeit im Fußballverein oder später durch finanzielle Unterstützung –, wären wir als Gesellschaft viel weiter.
Viele Unternehmen klagen aktuell über schwierige politische Rahmenbedingungen. Wie bewerten Sie das?
Ich bin niemand, der groß appelliert und lamentiert. Natürlich wäre es angenehm, wenn gewisse Dinge besser liefen. Aber ich kann mich nicht darauf ausruhen, dass die Politik etwas nicht tut. Ein Beispiel: Wir sitzen hier in einem kleinen Gewerbegebiet auf dem Land. Wir brauchten schnelles Internet. Also haben wir nicht auf politische Projekte gewartet, sondern gebuddelt und die Glasfaserkabel einfach selbst verlegt. Ich zahle gerne Steuern, wenn sie vernünftig eingesetzt werden. Aber bei manchen Themen muss man eben selbst handeln.
Spüren Sie Belastung durch eine zunehmende Bürokratie?
Absolut. Ich habe keinen Konzern im Rücken mit zehn Leuten, die nur für Compliance-Themen abgestellt sind. Wenn ich sehe, wie viele Mitarbeiter ich mit Dingen wie der Whistleblower-Richtlinie oder dem Lieferkettengesetz beschäftigen muss. Wenn wir diese Zeit für Innovationen nutzen würden, könnten wir grundlegende Probleme lösen. Wir brauchen wieder mehr gesunden Menschenverstand und Vertrauen in die Unternehmer und Mitarbeiter, statt alles 180-prozentig regulieren zu wollen.
Der Fachkräftemangel treibt viele um. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?
Als Unternehmerin mache ich mir da keine Sorgen, weil wir in den letzten Jahren sehr viel investiert haben. Wir haben eine hohe Ausbildungsquote und betreiben intensives HR-Marketing über Schulpartnerschaften. Wir erklären den jungen Menschen früh: Macht eine Ausbildung. Es bringt nichts, wenn alle an die Hochschulen rennen und uns am Ende die exzellenten Handwerker fehlen. Es ist doch ein großartiges Gefühl, am Ende des Tages zu sehen, dass man mit seinen eigenen Händen etwas aufgebaut hat, das funktioniert.
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Über Aumüller Aumatic
Aumüller Aumatic, gegründet 1972 mit Sitz in Thierhaupten, entwickelt Systeme für Fensterautomation, Rauch- und Wärmeabzug (RWA) sowie natürliche Lüftung. Das Unternehmen wird von der geschäftsführenden Gesellschafterin Ramona Meinzer geleitet und wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit „Bayerns Best 50“ und dem Plus X Award als „Beste Marke des Jahres“.
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Ramona Meinzer ist es wichtig, dass es in ihrem Unternehmen
„menschelt“ und die Arbeit auch Spaß macht.